Chefsache – Dr. Gilda Giebel · Interview
Die Psychologin Gilda Giebel hat sechs Jahre lang mit Männern gearbeitet, die schwere Gewalt und Sexualstraftaten begangen haben. In der Sicherungsverwahrung führte sie therapeutische Gespräche und erstellte Gefährlichkeitsprognosen. Über ihre Erfahrungen und ihr neues Buch „Das Böse im Mann. Über Anziehung, Macht und die Psychologie zerstörerischer Beziehungen“ spricht sie mit Oliver Dunk in „Chefsache! Macher im Gespräch“.
Giebel untersucht, warum Dominanz, Selbstsicherheit und Durchsetzungsfähigkeit anziehend wirken können und wann daraus Kontrolle, Manipulation und ein problematisches Machtgefälle entstehen. Intensive Anziehung, so eine zentrale These, sagt noch nichts darüber aus, ob ein Mensch auch zu einer verlässlichen Beziehung fähig ist. Giebel beschäftigt sich mit narzisstischen und psychopathischen Persönlichkeitszügen, emotionaler Abhängigkeit und Trauma Bindung.
Sie beschreibt, wie der Wechsel zwischen Nähe und Rückzug eine Bindung verstärken kann und weshalb Menschen in Beziehungen bleiben, obwohl sie deren destruktive Dynamik längst erkannt haben. Auch extreme Formen der Anziehung spielen eine Rolle. Dazu gehören Frauen, die Beziehungen mit verurteilten Gewalt oder Sexualstraftätern eingehen, die Faszination für gefährliche Männer sowie die Popularität von True Crime und Dark Romance. Dabei geht es um die oft schwer erkennbare Grenze zwischen Stärke und Dominanz, Leidenschaft und Abhängigkeit, Anziehung und Gefahr.
Sendung vom 27.09.2026