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Chefsache – Ireen Sheer

CHEFSACHE – Macher im Gespräch mit Oliver Dunk. Dieses Mal kommen wir der Schlager-Ikone Ireen Sheer ein wenig näher. Im Mai 2020 war Schlager-Ikone Ireen Sheer zu Gast im Studio.

Viel Spaß bei der Chefsache!

Das Interview zum Nachlesen:

Oliver Dunk: Sie weiß schon, dass Sie am Abend Kopfweh hat: Ireen Sheer bei Schlager Radio. Eine Britin, die seit 50 Jahren im Show- und auch im Schlagergeschäft ist. 71 Jahre alt und sie hat noch richtig viel Feuer. Herzlich willkommen, Ireen Sheer.

Ireen Sheer: Hallo Oliver. Ich freue ich sehr hier wieder bei Schlager Radio zu sein.

Oliver Dunk: Toll, dass du da bist. „Feuer brennt nicht nur im Vulkan, Feuer ist auch in mir drin“ hast du mal… wie heißt das?

Ireen Sheer: Feuer brennt nicht nur im Kamin, sondern in mir drin.

Oliver Dunk: Na ja, hier ist ein Vulkan.

Ireen Sheer: Vulkan ist auch gut.

Oliver Dunk: Genau. In dir drin. Du bist ungeheuer temperamentvoll.

Ireen Sheer: Auf der Bühne auf jeden Fall.

Oliver Dunk: Das heißt zu gar nicht, oder was?

Ireen Sheer: Da kannst du nicht so rumhüpfen die ganze Zeit. Nein, ich bin ein ganz normaler Mensch. Aber auf der Bühne, da drehe ich auf, weil ich dann für mein Publikum da bin und in diesen Zeiten… im Moment ist das natürlich… haben wir keine Möglichkeit, zu unserem Publikum raus…

Oliver Dunk: Ich weiß. Aber es gibt ja so Menschen, die sind nach außen hin powerful, auch auf der Bühne, und wenn man die privat erlebt, denkt man: Meine Güte, da brennt so viel Feuer. Kann die nicht mal ruhig sein. So bist du nicht, oder was?

Ireen Sheer: Nein. Du kennst mich doch ein bisschen. Also ab und zu gehen wir schon essen zusammen.

Oliver Dunk: Genau, aber ich muss dich ja fragen, weil die Hörer kennen dich nicht.

Ireen Sheer: Ja, das ist klar, die kennen mich nur auf der Bühne und im Fernsehen. Aber oft ist es so gewesen in meinem Leben, dass, wenn wir nur privat mit Menschen waren und dann sehen die mich plötzlich auf der Bühne, da sagen die „Ha, so ein Temperament, das haben wir nicht gewusst“.

Oliver Dunk: Ja, ist ja wie Helene Fischer.

Ireen Sheer: Die Helene ist auch… ja, sie sitzt auch ein bisschen still da.

Oliver Dunk: Wann gehen denn die Pferde mal so richtig mit dir durch? Was bringt dich auf die Feuer? Wo kommt das Feuer?

Ireen Sheer: Wo kommt das Feuer? Also wirklich von meinem Publikum. Es ist so.

Oliver Dunk: Privat, sag mal, eifersüchtig zum Beispiel, kann ich mir vorstellen, dass da die Hütte brennt.

Ireen Sheer: Nein, ich muss ja nicht eifersüchtig sein. Also ich war noch nie ein eifersüchtiger oder neidischer Mensch. Ich konnte nie verstehen, dass Menschen dann auch so aufbrausend waren. Ich bin ja kein aufbrausender Mensch eigentlich. Aber klar, wenn ich irgendwas Unfeines höre, auch in den Nachrichten, wo ich sage „Das kann doch nicht wahr sein, wie andere Menschen andere Menschen auch benutzen“.

Oliver Dunk: Oder in der Branche, in der Schlagerbranche, Intrigen zum Beispiel.

Ireen Sheer: Ich halte mich fern von Intrigen. Wie gesagt, das ist nicht meins. Ich bin ja wirklich für mein Publikum auf der Bühne und wenn ich fertig bin, dann steige ich ins Auto mit meinem Mann und dann fahren wir nach Hause.

Oliver Dunk: 50 Jahre im Geschäft und immer noch sieht sie aus wie 40.

Ireen Sheer: Du bist ja so lieb zu mir. Aber das warst du immer.

Oliver Dunk: Du kennst mich nicht anders. Lady Show ist ein Spitzname. Woher kommt der eigentlich?

Ireen Sheer: Das kommt von Dieter Thomas Heck. Also der Dieter, der hat ja natürlich sehr, sehr viel beigetragen, dass ich auch meinen Durchbruch damals in Deutschland bekam 73. Also der hat mich natürlich sehr oft auf der Bühne angesagt, wenn wir Liveauftritte hatten und der hat gesagt „Du bist für mich absolut Lady Show“.

Oliver Dunk: Der hat ja allen immer irgendwie Spitznamen gegeben, oder?

Ireen Sheer: Ja, wahrscheinlich, ja, ja.

Oliver Dunk: Der Bernhard, der Brink.

Ireen Sheer: Ja, ja. Das benutzt er immer noch, unser Berni.

Oliver Dunk: Genau, der kann den gut imitieren. Ihr wohnt ja gleich um die Ecke von Schlager Radio, also Ihr konntet quasi zu Fuß hierher spazieren.

Ireen Sheer: Ja, wunderschön.

Oliver Dunk: Das war nicht wirklich anstrengend. Wie habt Ihr eigentlich diese Zeit, diese vergangenen Wochen genutzt? Jetzt haben ja vergangenen Freitag die Restaurants auch in Berlin wieder aufgemacht. In Sachsen-Anhalt dauert es noch ein bisschen länger. Zwei Monate zu Hause. Ireen und Klaus nur am Herd, oder wie?

Ireen Sheer: Ganz interessant eigentlich, weil wir waren ja auf Tournee und unser letzter Tourneetag von diesen 70 Tagen war am 8. März und das war in Sonnberg.

Oliver Dunk: Das war ein Sonntag.

Ireen Sheer: Das war ein Sonntag, ja. Dann sollten wir weiter am Donnerstag unsere Tournee machen, die große Schlager-Hitparade-Tournee mit Kollegen von mir, und das lief fantastisch und wir haben viel, viel Spaß miteinander gehabt und ein tolles Publikum und dann ging das richtig los mit Corona, dass dann Veranstaltungen mit über 500 Menschen wurden alle abgesagt und damit war unsere Tournee futsch. Also postponed, wie man so schön sagt. Das soll auch noch in diesem Jahr im September/Oktober weitergehen. Auf jeden Fall ab da waren wir dann zu Hause. Also wir kamen nach Hause. Wir waren mit Bernhard, also und Ute, seine Frau, essen am letzten Tag, wo man noch essen gehen konnte, und danach war alles zu.

Oliver Dunk: Und heute Abend könnt Ihr übrigens wieder essen gehen, denn Bernhard feiert quasi seinen Geburtstag.

Ireen Sheer: So ist das. Er hat uns eingeladen. Er ist heute unterwegs und ich bin ja bei dir.

Oliver Dunk: Genau, auf jeden Fall. Also jetzt nochmal diese Zeit, was habt Ihr in dieser Zeit gemacht?

Ireen Sheer: Das wollte ich jetzt erzählen. Also das war eigentlich, dass wir gesagt haben: Okay, wenn wir zu Hause bleiben, ich meine, Klaus und ich sind sowieso immer zusammen. Weil viele sagen „Oh, wie ist es denn, also nur mit einem Partner zu sein?“. Wir sind sowieso immer zusammen. Es hat sich nichts für uns jetzt radikal etwas verändert.

Oliver Dunk: Also es wurde nicht langweiliger?

Ireen Sheer: Nein, wunderschön eigentlich, weil wir haben ja auch dann nicht mehr gearbeitet. Wir brauchten gar nicht mehr mit dem Auto zu fahren. Ich meine, wir fahren 70.000 Kilometer im Jahr für unseren Job und plötzlich das Auto stand nur. Also das war ein riesen Ding. Was wir dann gesagt haben: Okay, wir machen was für unsere Gesundheit.

Oliver Dunk: Das heißt?

Ireen Sheer: Wir haben einen Arzt, den wir kennen in Ellmau in Tirol, wo wir früher gewohnt hatten. Also der hat ja so eine Körnerkur, das man machen konnte, und wir haben gesagt: Okay, dann machen wir diese Kur. Wir haben das alles dann ankommen lassen und haben dann jeden Tag diese Körner…

Oliver Dunk: Körner gegessen.

Ireen Sheer: Ja, es war richtig veganes Essen.

Oliver Dunk: Wie lange habt Ihr das durchgehalten?

Ireen Sheer: Drei Wochen. Dann bist du wirklich entgiftet. Es ist eine Detox-Entschlackungskur und das hat uns wirklich gutgetan, weil wir haben ja auch keine Möglichkeit gehabt, irgendwo essen zu gehen. Wir konnten uns nicht treffen mit Freunden oder Familie oder irgendjemandem und so hatten wir nicht jetzt von draußen irgendwas gehabt, der uns dann ablenken konnte und das haben wir wirklich dann durchgezogen.

Oliver Dunk: Okay. Ich meine, hat es geholfen? Klaus sitzt draußen vor dem Studio. Ich meine, der sieht nicht anders aus als sonst.

Ireen Sheer: Ja, gut, es war jetzt auch schon drei Wochen her.

Oliver Dunk: Also danach wurde wieder richtig reingehauen.

Ireen Sheer: Da haben wir weiter dann wieder… nein, also reingehauen nicht. Aber es ist gut, wenn du auch deinen Körper entlastest und das haben wir auch getan. Und dann natürlich habe ich meine Wohnung natürlich ein bisschen Zeit gehabt, dass ich ein bisschen ausräumen konnte, also auch Kleidung. Ich rücke meine Kleidung von einer Seite zur anderen.

Oliver Dunk: Du hast also Probleme mit dem Stoffwechsel sozusagen.

Ireen Sheer: Fürchterlich. Es ist ganz, ganz fürchterlich. Ich hasse packen und ich hasse auch aussortieren. Aber wir haben tausend Sachen gemacht und jeden Tag haben wir ein bisschen Sport gemacht. Wir sind jeden Tag ganz lange Spaziergänge gemacht. Wir haben in dieser Corona-Zeit, also bis die Eisheiligen kamen, schönes Wetter gehabt. Also es war ein Traum. Eigentlich hatten wir…

Oliver Dunk: Du konntest runterfahren.

Ireen Sheer: Wir haben ja Zwangsurlaub.

Oliver Dunk: Ja, genau. Aber was ja ein bisschen kurios ist, ich weiß noch, vor ein bisschen mehr als einem Jahr, da hast du zu mir gesagt „Weißt du was? Jetzt mit 70, ich höre jetzt auf“. Und Klaus hat gesagt, dein Mann, „Ich habe auch nicht immer Lust, die Ireen so zu fahren“. Er ist ja sozusagen dein Chauffeur.

Ireen Sheer: Der hat ja alles gemacht. Er macht ja auch alles.

Oliver Dunk: Dann habe ich dich mal gefragt „Ich meine, warum willst du aufhören? Die Bühne ist dein Leben“ und du hast ja weitergemacht. Eigentlich tritt ja jetzt das ein, was du dir damals gewünscht hast: weniger Jobs.

Ireen Sheer: Ja, eigentlich war es mehr für Klaus gekommen. Wir waren auf Punta Cana. Wir hatten ja für FLY & HELP, das ist die Reiner Meutsch Stiftung, um für wirklich sehr, sehr, sehr arme Kinder in Afrika Schulen zu bauen und wir waren in Punta Cana, Dominikanische Republik, und dann sagte Klaus „Also weißt du was? Eigentlich könnten wir so langsam ein bisschen weniger machen“. Das hat mich ein bisschen stutzig gemacht und er sagte „Überleg es dir“. Und dann haben wir gedacht: Okay, dann könnten wir auch ein bisschen mehr Urlaub machen. Das haben wir dann auch gemacht. Wir waren ja in Südafrika sechs Wochen lang, also vor zwei Jahren, und das konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass ich sechs Wochen auf einem Stück…

Oliver Dunk: Mal nichts tust.

Ireen Sheer: Ja.

Oliver Dunk: Jetzt musst du monatelang nichts machen.

Ireen Sheer: Am letzten Tag beim Sonnenuntergang habe ich gesagt „Ich glaube nicht, dass es jetzt zu Ende geht“ und aber ich liebe meinen Beruf, das ist klar. Dann hatten wir letztes Jahr dieses Jubiläumsjahr und da haben wir gesagt, das müssen wir auch machen, also für meine Fans bin ich auch schuldig, also ein Album zu machen mit alten Liedern neu gemacht, mit neuen Liedern, mit DVDs und alles. Das haben wir gemacht. Du weißt ja auch, dass wir Nummer 2 in den deutschen Schlager-Albumcharts waren. So hoch war ich noch nie in meinem Leben.

Oliver Dunk: Guck mal an.

Ireen Sheer: Wo man aufhören will.

Oliver Dunk: Aber Ireen, jetzt habe ich die Frage glatt vergessen, die ich dir stellen wollte.

Ireen Sheer: „Ich muss mir nichts mehr beweisen“, heißt mein Album.

Oliver Dunk: Genau. Du musst dir nichts mehr beweisen.

Ireen Sheer: Nein, muss ich nicht.

Oliver Dunk: Kannst du dich noch erinnern, „Goodbye Mama“ war der erste große Hit von dir?

Ireen Sheer: Ja, in Deutschland.

Oliver Dunk: Genau. Wie war das so zum ersten Mal ZDF-Hitparade und dann ganz schnell nach oben?

Ireen Sheer: Das war schon irre.

Oliver Dunk: Du warst 20, ne?

Ireen Sheer: Ja.

Oliver Dunk: Anfang 20.

Ireen Sheer: Ja, Anfang 20. Aber ich hatte auch in England schon so viel gemacht und dann auch mit Family Dogg, diese Band mit Albert Hammond, sind wir dann weltweit gereist und dann kamen wir auch nach Deutschland und weil ich ein bisschen Deutsch sprechen konnte, weil meine Mama Deutsch war, hat die Schallplattenfirma gesagt „Warum machst du denn nicht deine Solotitel, die du für England  machst, warum machst du die nicht auf Deutsch?“ und so fing das an überhaupt.

Oliver Dunk: Und hast du dich geweigert oder hast du gesagt „Mache ich sofort“?

Ireen Sheer: Überhaupt nicht. Nein, ich liebte auch Deutschland. Ich meine, ich habe ja…

Oliver Dunk: Die Mama Deutsche.

Ireen Sheer: Wir haben wunderbare Familie in Düsseldorf allerdings und das war für mich immer, wenn ich nach Deutschland kam, war Holiday. Und jetzt plötzlich also durfte ich auch dann Fernsehauftritte machen. Wir haben ein Album gemacht. Ich bin ja mit Ralf Siegel zusammengekommen. Das war 71.

Oliver Dunk: Als Produzent.

Ireen Sheer: Ja. Also mein Typ war er nicht, aber ich mochte ihn gerne. Auf jeden Fall haben wir dann ein Album gemacht und er hat auch ganz, ganz tolle Sachen für mich gemacht und dann war ich wieder in England die ganze Zeit, habe ja auch im Musical, also einem Kinder-Musical mitgemacht mit Frank Alfeld und also das lief alles fantastisch und dann kriegte ich einen Anruf am letzten Abend von diesem Theaterstück in Liverpool „Ireen, also sofort nach München kommen, also nicht nach Hause, also du kommst direkt nach München. Ich habe einen Hit für dich“ und das war „Goodbye Mama“. Wir haben das dann auch im Studio am gleichen Abend dann gemacht, als ich ankam. Du weißt ja nie, was passiert, wenn du ins Studio gehst. Du kannst ja reingehen und wieder rauskommen und es geht unter ferner Liefen oder aber du kommst als Millionär wieder raus.

Oliver Dunk: Ja, aber manchmal wissen Künstler auch gar nicht, was gut für sie ist.

Ireen Sheer: Ich weiß das überhaupt nicht.

Oliver Dunk: Das heißt, du suchst die Platten gar nicht aus, sondern jetzt heutzutage Klaus, dein Mann, als Manager sagt das…

Ireen Sheer: Nein, also natürlich, ich weiß ja, was ich mag und ich weiß ja… Aber ich weiß nicht immer des Publikums Geschmack und da habe ich natürlich auch Produzenten, die manchmal wirklich auf den Puls des Publikums, des deutschen Publikums…

Oliver Dunk: Ich kenne diese wunderbare Geschichte von Vicky Leandros, Vater Leo Leandros, hat für sie geschrieben ein Album und da war ein Titel dabei, wo Vicky gesagt hat „Okay, Papa, ich sing den für dich, aber ich will den nicht als Single haben“. Der hat gesagt „Wir machen ihn doch als Single“ und die haben richtig Stress gehabt, wahrscheinlich wochenlang nicht miteinander gesprochen und am Ende wurde diese Single der größte Erfolg von Vicky Leandros.

Ireen Sheer: „Theo, wir fahren nach Lodz“?

Oliver Dunk: „Theo, wir fahren nach Lodz“.

Ireen Sheer: Habe ich gut erraten.

Oliver Dunk: Manchmal ist es ja auch ganz klug, andere entscheiden zu lassen.

Ireen Sheer: So ist es. Ja, auf jeden Fall. Und deshalb ich bin ja nicht so borniert, dass ich sage „Ich weiß ja, was das Publikum haben will“. Natürlich auf der Bühne darf ich machen, was ich will. Wenn ich meine Konzerte mache, dann mache ich so wirklich Querbeet durch, weil ich bin ja Sängerin.

Oliver Dunk: Entertainerin kann man sagen.

Ireen Sheer: Entertainerin. Also ich bin ja auch zur Theaterschule gegangen, ich habe eine musikalische Ausbildung und alles gehabt. Es ist nicht als ob ich nur reingeschlüpft bin. Also mit zwölf wusste ich genau, was ich machen will. Jetzt große Sprung auf „Goodbye Mama“, dann haben wir auch Studio B gemacht, hat ja nichts gebracht und dann kamen wir durch die Gremien in die ZDF-Hitparade. Die Jury hat gesagt „Ja, also wir nehmen diesen Titel“.

Oliver Dunk: Wir stellen sie mal vor.

Ireen Sheer: Wir stellen sie vor. Und das hat ja sofort gebrannt. Irgendwie habe ich den Geschmack des Monats gekriegt und war dreimal bei der ZDF-Hitparade erstmal als dritter Platz, zweiter Platz und dann erster Platz.

Oliver Dunk: Aber die Deutschen, muss man sagen, haben auch eine Affinität zu Menschen mit diesem britischen Akzent. Also Bill Ramsey zum Beispiel.

Ireen Sheer: Graham Bonney.

Oliver Dunk: Graham Bonney. Chris Howland.

Ireen Sheer: Oder Johnny Logan.

Oliver Dunk: Aber der hat ja Englisch gesungen.

Ireen Sheer: Der singt Englisch, ja, das stimmt.

Oliver Dunk: Aber eine Frau mit englischem Akzent, das kam einfach gut an. Ich habe vorhin natürlich wie immer gut zugehört, wenn du was erzählst. Du hast gesagt „Ich mochte Ralf Siegel“. „Ich mochte ihn.“

Ireen Sheer: Nein, ich mag ihn. Ich mochte ihn damals. Nein, wir waren im Damals und ich habe ja nur fürs damalige Thema jetzt gesprochen.

Oliver Dunk: Also heute magst du ihn nicht mehr oder doch noch?

Ireen Sheer: Doch, ich mag den Ralf. Das ist ein ganz… also Ralf, also lasse ich nichts drauf kommen. Als Freund ist er ganz, ganz lieb.

Oliver Dunk: Das sagt ja wieder alles.

Ireen Sheer: Aber wenn du nicht von ihm produziert wirst, dann… Es ist besser, dass du von ihm produziert wirst. Dann wirst du Nummer eins.

Oliver Dunk: Du wohnst quasi um die Ecke. Ist ja auch mal keine Reise.

Ireen Sheer: Nein, ist keine Reise. Nein, 20 Minuten zu Fuß, das geht.

Oliver Dunk: Eine Reise zum ESC, zum Eurovision Song Contest. Früher hieß das ja auch nochmal anders: Schlagerwettbewerb, dann Grand Prix…

Ireen Sheer: Ja, ich weiß, Französisch, ja, ja, genau. Aber ich habe immer The European Song Contest gesagt.

Oliver Dunk: Genau. Du hast für Luxemburg mal teilgenommen.

Ireen Sheer: Das erste Mal.

Oliver Dunk: Das wissen die wenigsten. Warum für Luxemburg?

Ireen Sheer: Das war sehr interessant, weil ich habe ja erklärt, dass ich auch in England angefangen habe zu singen und Radio Luxemburg war ja auch sehr, sehr groß angesagt auch für die Engländer, aber die englische…

Oliver Dunk: Genau, das britische abends ab 18, 20 Uhr.

Ireen Sheer: Natürlich, klar. Das war auch so ein privater Sender und also so war ich für Radio Luxemburg kein unbeschriebenes Blatt. Jetzt bin ich auch zu Ralf Siegel gekommen und wir hatten ja auch schon „Goodbye Mama“ und Album und alles gehabt und dann schrieb er einen Titel „Bye-bye, I love you” und er hat das vorgespielt bei Radio Luxemburg und die haben gesagt „Oh, das ist ja so toll, das würden wir gerne, dass Ireen das für uns singt, aber dann auf Französisch“. Weil das war in Deutsch, was wir gemacht hatten. Und also deshalb haben wir auch keine Competition oder irgendwas gewinnen müssen. Ich bin direkt dann nach Brighton in England gekommen und habe ja gegen Olivia Newton John getreten. Die hat ja dann für England und wir kannten uns auch durch unsere Branche in England.

Oliver Dunk: Was hat sie gesungen, „Banks of Ohio“ oder was hat sie…?

Ireen Sheer: Nein. Nein, nein, „Long live love” und das mochte sie überhaupt nicht. Das war ihr auch zu sehr Schlager. Ufta-ufta. Das ging ja… sie sagte „Ja, das Publikum hat das ausgesucht“.

Oliver Dunk: Aber du hast Platz vier gemacht?

Ireen Sheer: Wir haben beide zusammen vier gemacht.

Oliver Dunk: Ach so.

Ireen Sheer: Ja, ja, wir haben zusammen… ja, ja, das war schon interessant und das war wirklich toll, weil in Französisch das zu singen, ich kann ja kein Französisch. Ich musste das wirklich so wie ein Papagei lernen. Ich sagte zu meinem Mann „Oh Gott, die haben ja auch die Texte auch noch geändert vorher“ und ich musste auch dann nochmal…

Oliver Dunk: Und das ist ja alles live.

Ireen Sheer: Das ist alles live und als ich dann auf die Bühne kam mit meinem fürchterlichen Chiffon-grünes Kleid… also meine Mama sagte, dieser erste Schritt, das sie sah, als ich auf die Bühne kam, hat sie gewusst: Ireen macht das gut. Also die war ja auch mein tollster Kritiker, aber auch meine größte Befürworterin wie mein Papa und sie sagte „Ireen macht das schon“ und ich habe es auch gemacht.

Oliver Dunk: Guck mal, im ESC Eurovision Song Contest anders als im Fußball, also wenn ein in Deutschland geborener Tunesier einmal für Tunesien gespielt hat, darf er bei den Erwachsenen bei den Herren in der A-Mannschaft dann nicht mehr für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielen. Bei der Musik ist es genau anders. Hast du für Luxemburg gesungen, kannst du vier Jahre später für Deutschland antreten. Hast du auch gemacht mit…

Ireen Sheer: Ja, habe ich und das war für ich wunderbar.

Oliver Dunk: „Feuer“, Platz sechs. Und dann bist du nochmal mit Bernhard Brink angetreten?

Ireen Sheer: Nein. Ja, das war ja… nein, das war…

Oliver Dunk: Vorausscheidung, ne?

Ireen Sheer: 85 war noch ein Eurovision Song Contest.

Oliver Dunk: Ach, auch nochmal?

Ireen Sheer: Auch durch den Ralf, weil der Ralf das erste Mal, dass ich drin war…

Oliver Dunk: Wie oft warst du dabei, viermal?

Ireen Sheer: Dreimal.

Oliver Dunk: Dreimal? Und dann aber noch eine Vorentscheidung mit Bernhard?

Ireen Sheer: Dreimal und zweimal Vorentscheidung. Einmal, dass ich gar nicht wirklich mitgekriegt hatte mit „Einmal Wasser, einmal Wein“, hätte ich auch nie ausgesucht als Titel für die Vorentscheidung. Und dann mit Chris Roberts und dann zwei Engländer und zwei Franzosen und es hieß „Children, Kinder, Enfants“ und das sollte dann auch in drei Sprachen sein. Und dann hat ja auch wieder die Jury von Luxemburg einen Strich durch die Rechnung gemacht und hat das alles auf Französisch gemacht und es hat ja alles verloren, was eigentlich hätte sein müssen.

Oliver Dunk: Ja, verlieren kann. Hast du mit Bernhard Brink nicht auch mal eine Vorentscheidung…?

Ireen Sheer: Doch, das war 2002. Eigentlich wollte ich gar nicht, aber ich hatte einen wunderschönen Titel „Niemals zu spät“ und ich sollte das als Crossover machen mit einem Opernsänger. Aber irgendwie kamen wir nicht zusammen und die Stimmen klangen auch nicht so gut. Dann sagte mein Produzententeam „Mit wem könntest du dir das vorstellen?“. Ich sagte „Ja, mit Bernhard haben wir einen riesen Hit damals gehabt mit ‚Du gehst fort‘ Anfang der 90er Jahre“. „Ja, das ist eine gute Idee“, haben die gesagt. Er wollte sowieso die Vorentscheidung machen für Eurovision. Ich sagte „Aber das wollte ich gar nicht. Aber gut, okay“. Und dann haben wir es doch und wirklich, unsere Stimmen sind wirklich sehr, sehr schön zusammen. Das muss ich sagen.

Oliver Dunk: So, dann lass uns dieses wunderschöne Lied hören „Du gingst…“

Ireen Sheer: „Du gehst…“

Oliver Dunk: Du gehst und jetzt gingst du fort. Nein, du bleibst noch ein bisschen.

Ireen Sheer: Ich bleibe bei dir.

Oliver Dunk: Ireen Sheer, eine Schlagerikone, ist mein Gast. 50 Jahre im Geschäft.

Ireen Sheer: Ja, eigentlich…

Oliver Dunk: Mehr noch?

Ireen Sheer: Ja, ja, es ist noch mehr, weil ich sage es als Profisängerin, weil ich habe ja dann als Profisängerin angefangen in London.

Oliver Dunk: Mit 16 oder wann war das?

Ireen Sheer: Nein, 19. Nicht viel…

Oliver Dunk: Also über 15.

Ireen Sheer: Aber in Tiffanys in London war ich sechs Abende der Woche mit einer Band zusammen Gulliver’s People und dann kam das mit Family Dogg.

Oliver Dunk: Also über 50 Jahre ist eine Menge. Du hast ja voriges Jahr mal drüber nachgedacht aufzuhören. Mit welchem Alter müsste man denn wirklich Schluss machen?

Ireen Sheer: Also wenn ich…

Oliver Dunk: Angenommen Mitte 80 wärst du noch super drauf. Würdest du noch auf der Bühne stehen?

Ireen Sheer: Ich habe keine Ahnung. Also ich weiß es nicht. Also eigentlich solange, dass das Publikum mich haben will, solange dass ich auch gesund bin und dass ich auch eine Stimme habe und dass ich entertainen kann wahrscheinlich.

Oliver Dunk: Das ist ja ganz interessant. Künstler, Howard Carpendale hat sogar auch mal gesagt, der 2006 schlag-mich-tot…

Ireen Sheer: Der hat aufgehört.

Oliver Dunk: Genau, „Ich höre auf“ und festgestellt hat: Mensch, ohne Arbeit, ohne Bühne, ohne mein Publikum, ohne diese Anerkennung geht es irgendwie gar nicht. Das ist auch ein bisschen wie eine Sucht. Also die Bestätigung von außen ist schon wichtig, oder?

Ireen Sheer: Ja, es ist einfach ein way of life. Es ist wirklich ein Teil des Lebens und wenn man das auch so lange gemacht hat und dieses Feedback bekommen hatte, das ist schon… deshalb, also diese Corona-Zeit, also wenn das jetzt sehr, sehr lange gehen soll und ich denke schon, mit Publikum wird es auch schwierig sein, weil Singen, diese Tropfen, also…

Oliver Dunk: Genau, man hat ja letztlich gehört, Sprechen… Sprechen ist…

Ireen Sheer: Ja, Sprechen und Singen ist alles tabu. Eigentlich geht das gar nicht ohne Publikum. Also wir haben ja jetzt vor zwei Wochen, dreieinhalb, zweieinhalb Wochen habe ich die Aufzeichnung gemacht für Andy-Borg-Show und das war in Offenburg. Also die ganzen Hotels waren zu. Wir haben ja dann im Europapark in der Colosseo hat Familie Mack das aufgemacht, dass wir dann zumindest alle in der Produktion da schlafen konnten. Kein Service, kein Essen, gar nichts. Also alles nur mit Maske, ganze Fernsehen unter strengsten Verboten, das darf man nicht, das darf man nicht. Musste man selber schminken und Haare machen. Wirklich eine ganz andere Zeit und dann ohne Publikum. Und natürlich das hat ja auch in diesem Fall ging das, weil die Künstler, wir waren ja einige Künstler und wir saßen also in dieser Weinstube bei Andy in der Sendung und haben einander angefeuert als Publikum. Aber also das Publikum fehlt uns so sehr und deshalb werden so viele Sendungen auch abgesagt.

Oliver Dunk: Bei Sky zum Beispiel in der Fußball-Bundesliga, die es ja nun wieder gibt, da wurde Stadionatmosphäre eingespielt. Da hatte man die Option zu sagen: Okay, ich möchte jetzt Stadionatmosphäre hören. Kein Mensch im Stadion und diese Atmo kam quasi vom Band. Das war keine Option fürs richtige Gefühl im Studio, ne?

Ireen Sheer: Gut, ich meine, du kannst ja auch sehr, sehr viel Fake News, also das ist ja auch dann Fake und wenn das Publikum dann Publikum sieht im Fernsehen, dann könnte es wirklich ein Publikum sein. Aber für uns, die da auf der Bühne stehen, und du hast ja nicht… Zum Beispiel habe ich auch vor vier Wochen ungefähr ein Wohnzimmerkonzert gemacht. Das war ja für „Schlager für alle“ vom Musiksender und da haben wir gesagt „Okay, dann machen wir das mit“. Aber das war wirklich eine sehr, sehr… ich sage immer, also ich habe ja eigentlich alles erlebt in dieser ganzen Zeit. Da stehst du da. Du hast dein iPad da…

Oliver Dunk: Ich weiß. Und das war’s.

Ireen Sheer: Dann musst du so an der Seite, wo die Kamera eigentlich ist, was du nicht siehst, also du musst ja sprechen, du musst ja singen, du musst ja alles selber zeugen, weil nichts kommt zurück.

Oliver Dunk: Genau. Jetzt weißt du endlich mal, wie es einem Radiomoderator geht.

Ireen Sheer: Ich habe es aber doch bei dir gemacht. Weißt du noch?

Oliver Dunk: Genau, drei Jahre her. Also da ist es ja genauso. Ich meine, wir beide, jetzt sind wir nun hier zu zweit, aber du redest. Unser Morgenmann Normen Sträche ist ganz alleine im Studio und du hast aber als Hörer draußen das Gefühl, der unterhält sich mit dir persönlich. Das ist, glaube ich, auch die Faszination vom Radio. Ireen Sheer.

Ireen Sheer: Ich bewundere das. ich finde das ganz toll.

Oliver Dunk: Du kümmerst dich gleich wieder nach der Sendung um deine privaten Dinge, um deinen Mann.

Ireen Sheer: Sowieso.

Oliver Dunk: Der von dir gehegt und gepflegt wird. Ich habe ja vorhin so ein bisschen rausgehört zu Beginn der Sendung: nur Harmonie. Ich meine, ansonsten hätte es die zehn Jahre auch nicht überstanden, ne?

Ireen Sheer: Ja, wir haben ja 19 in diesem Jahr.

Oliver Dunk: Zehn Jahre Ehe, ne?

Ireen Sheer: Unseren 10. Hochzeitstag haben wir am 12. August und wir hoffen, dass die Grenze zu Tirol wieder auf ist, dass wir dann bei unserer Rosi in den Sonnberg-Stuben dann feiern können.

Oliver Dunk: Wird es bestimmt so sein.

Ireen Sheer: Vielleicht haben wir ja auch Glück.

Oliver Dunk: Ich drücke ganz fest…

Ireen Sheer: Und wir suchen auch jetzt einen neuen tollen Hit. Also da sind wir am Werkeln und das wird dann das nächste sein.

Oliver Dunk: Da habe ich einen Tipp für dich.

Ireen Sheer: Hast du?

Ireen Sheer und die Halbsätze

Oliver Dunk: Den habe ich. Den sage ich dir nach der Sendung. Ich habe noch Halbsätze, die du bitte vervollständigst. Den Fernseher schalte ich immer ein, wenn…?

Ireen Sheer: Netflix an ist.

Oliver Dunk: Große Auswahl. Eine tolle Serie übrigens Tipp von mir, bei Netflix kannst du, die Hörer, die das haben, auch mal reingucken, „Hollywood“.

Ireen Sheer: Das ist bestimmt gut.

Oliver Dunk: Die Geschichte, sieben Teile, glaube ich, die Geschichte der amerikanischen Filmindustrie, super gemacht. Meine größte Niederlage?

Ireen Sheer: Was war meine größte Niederlage? Ist egal.

Oliver Dunk: Diese Ehe mit diesem Sänger da?

Ireen Sheer: So ungefähr, ja, genau. Hast du gesagt.

Oliver Dunk: Habe ich gesagt, genau. Meine Schwäche ist?

Ireen Sheer: Mein Mann.

Oliver Dunk: Okay. Und meine Geburtsstadt?

Ireen Sheer: War Romford in Essex.

Oliver Dunk: Hast du noch eine Verbindung dazu?

Ireen Sheer: Nein. Also als ich 13 war, sind wird nach Billericay dann in Essex dann umgezogen und da haben meine Eltern auch, bis sie gestorben sind, gelebt.

Oliver Dunk: Ireen Sheer bei Schlager Radio. Wir sehen uns ganz bald wieder. Wir wohnen ja quasi sozusagen um die Ecke. Also ich wohne hier nicht, aber…

Ireen Sheer: Wir gehen schön essen zusammen, ja.

Oliver Dunk: Aber mein Büro ist wie mein Wohnzimmer. Ireen Sheer, danke, dass du da warst. Alles Liebe.

Ireen Sheer: Ich danke dir auch. Alles Liebe auch an alle Schlager Radio-Zuhörer. Und bleib gesund.

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