Nicole vermisst beim ESC „das Herz“
Als Nicole 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ den Grand Prix gewann, schrieb sie Musikgeschichte. Die damals erst 17-Jährige stand mit ihrer Gitarre auf der Bühne, ohne großes Spektakel, ohne riesige Effekte – und bewegte Millionen Menschen. Mehr als vier Jahrzehnte später ist ihre Botschaft aktueller denn je.
Im Gespräch mit Schlagerpuls.com blickt Nicole allerdings kritisch auf die Entwicklung des heutigen Eurovision Song Contests. Zwar verfolgt sie den Wettbewerb weiterhin, doch vieles stößt ihr inzwischen negativ auf. Früher habe der ESC vor allem von den Liedern und den Künstlern gelebt. Heute stehe dagegen häufig die große Inszenierung im Vordergrund. „Das ist ein Lieder-Wettbewerb und kein Show-Wettbewerb“, sagt Nicole deutlich.
Kritik an Effekten und Inszenierung
Besonders die aufwendigen Bühnenshows sieht die Sängerin kritisch. Fahrbare Treppen, digitale Wände oder spektakuläre Effekte würden oft mehr Aufmerksamkeit bekommen als die Musik selbst. Nicole ist überzeugt, dass ein wirklich gutes Lied auch ohne große Kulisse funktionieren müsse. Gerade deshalb seien viele ESC-Songs der vergangenen Jahre kaum noch in Erinnerung geblieben.
Lediglich einzelne Auftritte hätten sich nachhaltig eingeprägt. Conchita Wurst etwa habe mit „Rise Like a Phoenix“ sofort eine besondere Atmosphäre geschaffen, erinnert sich Nicole. Viele andere Sieger könne sie dagegen kaum noch nennen. Ihrer Meinung nach fehlt es vielen Beiträgen heute an Echtheit und Wiedererkennungswert.
„Mir fehlt die Authentizität“
Auch bei den Künstlern vermisst Nicole Persönlichkeit und musikalische Tiefe. Sie erinnert sich an Bands wie die Olsen Brothers oder „Katrina and The Waves“, bei denen sofort spürbar gewesen sei, dass dort echte Musiker auf der Bühne standen. Nicole erklärte, dass man damals nach wenigen Sekunden wusste, wer das Publikum wirklich berührt.
Heute dagegen wirke vieles austauschbar. Viele Künstler seien zu ähnlich, sowohl optisch als auch musikalisch. „Mir fehlen die Authentizität und der Tiefgang eines Interpreten“, betont die ESC-Legende. Künstler müssten die Bühne mit Persönlichkeit füllen – und nicht nur mit Effekten.
Einsatz für Frieden und Kinder
Trotz aller Kritik bleibt Nicole ihrer Botschaft treu. Seit Jahrzehnten setzt sie sich für Frieden und Menschlichkeit ein. Als Botschafterin von FLY & HELP unterstützt sie Bildungsprojekte für Kinder weltweit. Die Stiftung hat bereits hunderte Schulen in Afrika, Asien und Lateinamerika gebaut.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum „Ein bisschen Frieden“ bis heute nichts von seiner Kraft verloren hat. Nicole sagt selbst, ihr fehle beim ESC inzwischen vor allem eines: „das Herz“. Worte, die vielen Fans aus der Seele sprechen dürften.